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Mut: Gehe etwas an, wovor Du bisher immer zu viel Respekt hattest

Dies ist der dritte und letzte Beitrag in unserer Reihe "Wir machen es einfach". Wir haben mit den drei Artikeln zu den Großprojekten und dem Etablieren von Routine und nun eben dem Thema Mut sicher nicht alle Herausforderungen abgedeckt, die rund um das Thema Selbstmanagement auf Dich zukommen werden. Wir haben aber den Mut zur Lücke und denken, dass wir mit dieser Auswahl drei Schwergewichte aus diesem Themenkomplex angegangen sind.

Wieso zählt das Thema Mut dazu? Viele Aufgaben, die Du angehen willst oder gar musst, werden im ersten Moment vielleicht unlösbar erscheinen oder Dich zumindest vor einen imaginären Berg von Arbeit platzieren, von dem Du keine Idee hast, wie Du das überhaupt jemals abarbeiten könntest. Wie also schaffst du es trotzdem, dass du ebensolche Dinge angehst, vor denen Du bisher immer zu viel Respekt hattest? Dieser Frage will ich in diesem Beitrag etwas nachgehen.

Das Thema hat also viel mit Angst zu tun. Gäbe es keine Angst, bräuchten wir auch keinen Mut. Was Angst in uns auslöst und wie stark diese auftritt, das ist tief in unser aller Charakter verankert und lässt sich nicht mit ein paar cleveren Methoden ändern. Daher halte ich das Thema Mut für ein schwieriges Thema und möchte es genau darum erst recht nicht ausblenden.

Worum geht es also heute konkret?

Es gibt unterschiedliche Definitionen von Mut oder Courage. Meines Erachtens geht es letztlich darum, unsere eigene Angst zu kontrollieren. Sie verschwinden zu lassen, ist kein erreichbares Ziel. Ich möchte so vorgehen, dass ich mich an ein paar Zitaten zu dem Thema Mut und Angst entlang hangele, die schlaue Menschen von sich gegeben haben und die zentrale Punkte unseres heutigen Themas treffen. Am Ende können wir dann vielleicht einen Vorgehensplan aufstellen, den wir zu Hilfe nehmen, wenn wir mal wieder vor Aufgaben stehen, vor denen wir lieber ganz schnell wieder wegrennen möchten.


Harald Kraus, Onur Artuk, Stefanie Baumgärtner und Judith Puritscher sitzen auf einem Sofa und halten eine Meeting.

Seneca (römischer Dichter und Philosoph, 1-65):

"Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer"

Seneca möchte hier eine klare Unterscheidung zwischen dem machen, was wir uns in unserer Gedankenwelt zusammenbrauen und dem, was wirklich mit der Sache an sich zusammenhängt. Hier spricht jemand, der offensichtlich schon einiges an Erfahrung mit solchen Situationen gesammelt hat. Auf die Bedeutung von Erfahrung in unserem Kontext kommen wir nochmal genauer zu sprechen. Seneca hat wohl mehrfach erlebt, dass er die schwierige Aufgabe in seinen Gedanken nach rechts und nach links gewendet hat, dass er versucht hat, abzuwägen, was denn alles passieren könnte und sich dann letztlich darüber klar wurde, wie gefährlich alles werden könnte. Diese Vorgedanken, die wir uns allzu schnell zu einem Thema machen, das uns sowieso schon widerstrebt, werden diese Missgunst natürlich eher noch verstärken. Damit wird unsere Vorstellung dessen, was wir da vor uns herschieben, nur mit mehr Sorge und Angst genährt, wird also - um in Senecas Zitatenbild zu bleiben - schwerer und schwerer, eben weil wir es nicht anpacken und dadurch keine Vorstellung von dessen Realität erlangen. Hätte Seneca damals bereits Solufi gekannt, so hätte er unseren Leitspruch "Wir machen es einfach" wahrscheinlich mehrfach dick unterstrichen. In Senecas Logik kann man also sagen: Packe die Sache einfach an, dann wirst Du auch sehen, dass es gar nicht so schwer ist, wie du es dir vielleicht ausgemalt hast.

Immanuel Kant (Philosoph, 1724-1804):

"Ich kann, weil ich will, was ich muss"

Kant bezieht sich hier auf Muss-Aufgaben. Dinge also, die wir nicht vermeiden können. Mir fallen zu diesem Zitat Gespräche mit meinem Sohn ein. Auch wenn Schule und Lernen oft keinen richtigen Spaß machen, so muss es einfach doch erledigt werden. Wenn er es dann schafft, an der unvermeidbaren Aufgabe doch etwas zu finden, das sein Interesse weckt oder sonst irgendwie ein wenig spannend ist, dann wäre es doch super, wenn er sich darauf fokussiert. Dann macht er nicht nur etwas, das er machen muss, sondern auch etwas, das er machen will und schon wird alles viel besser von der Hand gehen. Finde also den Reiz in der vor dir liegenden Sache und damit den Spaß, dies zu ergründen.

Du könntest dich z.B. fragen:

  • Wieso ist das wertvoll?

  • Was gewinne ich für mich persönlich aus dieser Aufgabe?

  • Wen mache ich mit den Erkenntnissen noch glücklich?

Henry Ford (Unternehmer, 1863-1947):

"Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist"

Letztlich sagt Ford hier, dass Du Dich nur entwickeln kannst, wenn Du Dinge versuchst, die Du nicht sowieso schon kannst. Eine Gewichtheberin zum Beispiel, die immer nur 50kg hebt, bleibt auf der Stelle. Sie muss es wagen, auch mal mehr Scheiben auf die Stange zu packen, auch wenn sie erst nach dem Versuch wissen wird, ob es funktioniert hat. Sie kann sich sogar sicher sein, dass nicht jeder Anlauf gelingen wird. Es sind also genau die Aufgaben, die wir fürchten, die uns dann einen Schritt weiterbringen. Reicher an Erfahrung werden wir allemal, aber je nach Tätigkeit auch reicher an Wissen, Expertise, Freude oder im beruflichen Umfeld so etwas wie "Marktwert".

Fernando Sabino (brasilianischer Schriftsteller, 1923-2004):

"Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht am Ende"

Fehler werden überall gemacht. Sie bringen uns Wissen und dem Ziel näher, wir betrachten sie also als einen wichtigen Baustein auf jedem Pfad der Fortentwicklung. Auch Sabino bezieht sich hier auf eine derartige Einstellung. Gehe davon aus, dass Du Fehler machen wirst. Du wirst nicht sofort den korrekten Weg einschlagen. Du wirst auf deinem Weg lernen müssen, und Lernen passiert durch Fehler. Du willst dazu lernen? Dann heiße Fehler willkommen und scheue Dich nicht vor ihnen. Diese passieren einige Male, was normal ist, aber am Ende wirst Du sehen, dass die Sache gut geworden ist und Du bist gestärkt daraus hervor gegangen.

Nach diesen Ausflügen in die Welt der schlauen Sprüche wollen wir nun wie gesagt versuchen, uns einen Vorgehensplan zu erstellen. Der soll uns helfen, wenn wir vor einer einschüchternden Aufgabe stehen, diese dennoch anzupacken und könnte etwa so aussehen:

Vorgehensplan

  1. Einige Male mit Hilfe von Unterstützern (Beispiele siehe unten) die Sache einfach angehen.

  2. Die ersten Erfahrungen und Erfolgserlebnisse feiern und sich gerne daran erinnern.

  3. Bei weiteren Herausforderungen die gemachten Erfahrungen und Glücksmomente vergegenwärtigen.

Du siehst, wir kommen wieder zu dem Stichwort der "Erfahrungen". Diese spielen hierbei denke ich eine sehr wichtige Rolle. Wenn Du derartige Angst-Aufgaben bereits mehrfach erfolgreich gemeistert hast, mehrfach erlebt hast, dass die Angst unbegründet war, dass Dein Umfeld es großartig fand, was Du getan hast, dann wird es Dir immer leichter fallen, weitere Herausforderungen dieser Art anzugehen. Schön und gut wirst Du sagen, nur da muss ich ja erst mal hinkommen. Stimmt, und genau dafür gibt es ein paar…

Unterstützer

  • Gehe neue Wege Dies ist eher ein allgemeiner Unterstützer, denn Du nicht erst bei einer konkreten Aufgabe anwenden, sondern schon ab sofort in Deinen Alltag integrieren kannst. Damit unterstützt Du Dich selbst dabei, die Angst vor neuen Dingen abzulegen, indem Du Gewohntes mal über Bord wirfst und Neues ausprobierst. Beispiele sind:

    • Ändere Deinen gewohnten Weg zur Arbeit

    • Lege Dir eine neue Frisur zu, probiere einfach die mal aus, die Du schon immer im Hinterkopf hast

    • Spielst Du gerne Spiele? Egal welche, leg Dir mal eine neue Taktikzurecht und probiere diese aus

    • …Dir fallen selbst bestimmt noch viel Beispiele dieser Art ein…

  • Aufgaben zerteilen Wie bereits im ersten Beitrag dieser Reihe erwähnt tust Du immer gut daran, anstehende Arbeiten in sehr kleine Häppchen aufzuteilen. Ein erster, einfacher Schritt wirkt nicht so abschreckend wie ein großer, unübersichtlicher und langwieriger Aufgabenberg. Gehe diesen ersten Schritt fokussiert an und lenke deine Aufmerksamkeit erst dann auf den nächsten Schritt, wenn der erste erledigt ist.

  • Rede mit Freunden oder Kollegen darüber Tausche Dich zu dem Thema und Deinen Gedanken dazu aus. Auch Deine Ängste darfst Du gerne mitteilen! Dadurch kannst Du einerseits vielleicht von den Erfahrungen profitieren, die andere in ähnlichen Situationen bereits gemacht haben. Andererseits wird das Thema und Deine ersten Ideen dazu mehr und mehr zum Leben erweckt und keine ungewisse und unnahbare black box bleiben, einfach dadurch, dass Du darüber redest.

  • Wette auf Fehler Überlege Dir, was denn schief gehen kann. Aber nicht, um Horrorszenarien zu zeichnen, sondern um dann mit Dir selbst oder auch anderen darum wetten zu können, welcher Fail denn wohl eintreten wird. Baue Spaß an dem Umgang mit Fehlern auf, denn letztlich sind sie der Hauptursprung der Ängste, die wir in den Griff kriegen wollen. Wenn Du es schaffst, den drohenden Fehlern schon im Vorfeld ihre scharfen Zähne zu ziehen, entschärfst Du Deine Angst. Belohne Dich dann für Fehler, indem Du diese mit anderen teilst, die Lehren daraus klar formulierst und lernst, sie so wertzuschätzen.

Ich hoffe, Du kannst Dir den ein oder anderen hilfreichen Tipp mitnehmen und damit auch Dinge angehen, die Du vielleicht schon lange vor Dir herschiebst. Prokrastination ist zwar nicht immer komplett zu verteufeln, irgendwann kommt aber doch der Punkt, wo Du eine aufgeschobene Sache dann doch angehen musst.

Hast Du schon Erfahrungen mit solchen "Angst-Aufgaben" gemacht und Deine ganz eigene Herangehensweise dazu gefunden? Teile sie gerne mit uns!

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