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New Work - Buzz Word oder gelebte Realität? - Teil 1

Verbrennt die Organigramme! Weg mit der Autorität! Reißt die Bürowände ein! Macht einfach! - Verbirgt sich das hinter dem Thema New Work?

Als ich zum ersten Mal von New Work gehört habe, konnte ich mir nicht viel darunter vorstellen. Oft steht es im Zusammenhang mit Wörtern wie Future Work, Agilität, New Leadership, Selbstorganisation, flache Hierarchien, Work-Life-Balance, Freiheit und Sinnstiftung. Aber was steckt denn wirklich dahinter oder ist New Work nur eine neue Marketingkampagne, um den Arbeitgeber attraktiver darzustellen? Nachdem ich mich mit der Thematik intensiver auseinandergesetzt habe, wurde mir jedoch klar, New Work ist nicht nur eine leere Worthülse mit großartigen, hippen Bildern, auf denen alle Leute die ganze Zeit glücklich sind, im Büro am Tischkicker stehen oder im Hoodie auf der Couch am Laptop sitzen. Es ist vielmehr ein ernst zu nehmender Entwicklungstrend, der eine wirkliche betriebliche Rationalität hat und wo es um viel mehr, als nur um die Einführung von Home-Office geht.

Ein digitales Flipchart wurde gezeichnet mit einer großen Glühbrine in der Mitte. In der Glühbirne steht: New Work. Darum sind viele Zeichnungen und Wörter wie: Projekte, Innovation und Kreativität als Antrieb, Kollaboration und Austausch, Verantwortung, Intrinsisch, Neue Führungsansätze, Flexibilität, Try and Error, Digitale Kommunikation u.v.m


Also im Detail: Was ist eigentlich dieses „New Work“? Das Lustige ist, dass New Work gar nicht so „NEW“ ist. Das Thema New Work kam erstmals in den 80er Jahren durch Frithjof Bergmann auf und ist ursprünglich ein hochgradig politisches Thema. Es hatte primär nichts mit Mobile Work, Homeoffice oder agilen Tools zu tun. Damals ging es vielmehr darum zu ergründen, was man in seiner Arbeit wirklich, wirklich tun möchte und wie man dies selbstbestimmt steuern kann, ohne sich dabei in einem Abhängigkeitsverhältnis zu bewegen.

Der Kicker Tisch oder kostenlose Cola sind absolut nice-to-have, hat aber wenig mit dem zu tun, was ich wirklich tun möchte, im Kontext meiner Arbeit. Dennoch ist das Thema New Work vor allem in den letzten Jahren für uns allgegenwärtig und wird mit entsprechenden Arbeitsformen in Verbindung gebracht, aber warum ist das eigentlich so? Unsere Gesellschaft unterliegt einem Paradigmenwechsel: Wir befinden uns statt in einer früheren Industriegesellschaft nun in einer Wissens- und Informationsgesellschaft. Sämtliche Veränderungen, die damit einhergehen, schlagen sich auch in der Arbeitswelt nieder und haben diese vollkommen transformiert. Die Globalisierung, die Digitalisierung, neue Technologien, Automatisierung und die allumfassende Vernetzung haben dazu geführt, dass bestimmte Berufe heute verschwunden sind. Auch die industrielle Produktion hat sich grundlegend verändert. Gute Fachkräfte, zum Beispiel der Generation Y, lassen sich heute nicht mehr nur durch Geld und Status ködern. Sie zu rekrutieren, wird zur zentralen Aufgabe und Herausforderung von Unternehmen. Menschen wollen sich heute in der Arbeit entfalten und ständig weiterentwickeln können, außerdem möchten sie sich wertgeschätzt fühlen. Arbeitgeber, die das erkennen, sind für Bewerber deutlich attraktiver. Richtig umgesetzt, stellt New Work daher eine Win-win-Situation für Unternehmen und Mitarbeitende dar. Im Kern beschreibt „New Work“ also einen Sammelbegriff und stellt die Anpassungen des Arbeitsalltags und der Arbeitsmethoden dar, die aufgrund der Digitalisierung, neuer Technologien und der Bedürfnisse von Mitarbeitenden immer essenzieller werden. Diese Anpassungen bedeuten kontinuierliche Veränderung. Das „New Work Mindset“ zielt darauf ab, dass Unternehmen und Mitarbeitende sich diesen stetigen Wandel an Anforderungen in Bereichen der Technik, Soft-Skills und des lebenslangen Lernens bewusst machen und sich entsprechend für die Zukunft aufstellen. Als die zentralen New-Work-Werte werden Begriffe wie Freiheit, Selbständigkeit und Teilhabe an der Gemeinschaft beschrieben. New Work ist also kein fertiges Konzept, keine Standardlösung oder ein vordefinierter Prozess, sondern eine Frage der Haltung, der Werte, der Unternehmenskultur und zukünftigen Führungsansätzen. Offene Fehlerkultur und Vertrauen sollten selbstverständlich sein und die Ausführung von Arbeit, was Raum und Organisation betrifft, sollten neu gedacht werden. Es geht es darum, durch neue Ansätze ein innovatives und werteorientiertes Arbeitsumfeld zu schaffen. Mitarbeitende wollen ihre eigene Persönlichkeit mit in die Arbeit einbringen, die eigene Selbstverwirklichung und die eigenen Bedürfnisse stehen im Fokus. New Work bedeutet, das Gleichgewicht der Interessen aller Beteiligten zu bedenken. Außerdem geht es um Führung auf Augenhöhe, die mehr auf Wertschätzung und Coaching und weniger auf Ansagen basiert. Diese Kultur- und Werteansätze bringen jedoch auch eine gewisse Hürde mit sich. Sie bedeuten Loslassen aufseiten der Führungskräfte und im Gegenzug das Annehmen von Verantwortung aufseiten der Mitarbeitenden.

NEW WORK NEEDS INNER WORK! Im Grunde geht es im Fundamt also darum, ein neues Mindset zu schaffen, um zukunftsfähig zu bleiben. Es geht um Unternehmenswerte und wie diese im Arbeitsalltag gelebt werden. So wie neue Arbeitsformen an manchen Stellen umgesetzt werden, können sie jedoch oft die erhoffte systemverändernde Wirkung nicht erzielen, da der Wandel nur im Außen stattfindet. Viele Unternehmen denken, man müsste nur ein paar Rollen und Regeln verändern und schon würden die Menschen kreativer, verantwortungsvoller und selbstbestimmter werden - und Zack - Wir arbeiten nach dem New Work Gedanken. Dieses Herangehen übersieht, dass jede maßgebliche Veränderung in der Außenwelt eine entsprechende Veränderung im Innenleben der einzelnen Menschen braucht. Ein neues Mindset und eine neue Unternehmenskultur werden nicht einfach mal so geschaffen. Mitarbeitende müssen neue Arbeitsweisen verstehen und Werte als gelebte Realität im Arbeitsalltag wahrnehmen. Sie müssen die Erfahrung machen, dass sie nicht verurteilt werden, wenn sie morgens um 09:00 Uhr noch nicht erreichbar sind und dass es wirklich in Ordnung ist Fehler zu machen, da diese als wichtige Erfahrung gesehen werden. Werden diese Erfahrungen Wirklichkeit, sind Mitarbeitende auch bereit an ihrem Mindset zu arbeiten, da es die Grundwerte von Freiheit, Selbständigkeit und Teilhabe an der Gemeinschaft widerspiegelt.

Vier Merkmale von New Work: Um die Eingangsfrage nochmals zu beleuchten: New Work – Realität oder Buzz Word? New Work ist schon längst Bestandteil unserer Arbeitswelt und ein Schritt zurück undenkbar. Wir befinden uns mitten im Transformationsprozess und sind noch lange nicht am Ziel angekommen. Viele Unternehmen sind schon auf dem Weg, andere suchen noch die Orientierung. Um etwas Orientierung zu geben, möchte ich hier einige Punkte aufzeigen, die New Work im Sinne der Arbeitswelt 4.0 auszeichnen und ständig weiterentwickelt werden.

1. Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung Weg von strengen Hierarchien, hin zu Freiräumen und Verantwortung: Sinn und Zweck der Arbeit liegen bei New Work nicht ausschließlich darin, Geld zu verdienen, sondern etwas zu tun, das man wirklich möchte. Berufliche und private Selbstverwirklichung sind dafür essenziell. Entwicklungen wie das Home-Office oder auch die Möglichkeit remote zu arbeiten, sind das Ergebnis dieses Ansatzes. Das verlangt jedoch nach einer umfassenden Vernetzung, die insbesondere drei Bereiche umfasst:

  • Strukturierung der Arbeitsumgebung: Das betrifft sowohl die räumlichen als auch zeitlichen Gegebenheiten. Klassische Beispiele sind hier Open-Space-Büros, der 6-Stunden-Tag, Vertrauensurlaub oder auch die Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich.

  • Technische Strukturen: Kein New Work ohne das Internet. Damit man auch ortsunabhängig arbeiten kann, stellen Unternehmen mittlerweile häufig Laptops für Mitarbeiter, die passende Software für Telefonweiterleitungen oder auch Zugriffe auf das betriebseigene Netzwerk aus der Ferne.

  • Unternehmens- und Prozessstrukturen: Agile Teams, flexible Rollen (Holokratie) und eine grundlegend neue Auffassung von Führungskonzepten sind einige Beispiele für die veränderten unternehmerischen Strukturen, die aus New Work resultieren.


2. Mixed Teams statt homogener Abteilungen Auch das Verständnis von Arbeitsorganisation unterscheidet sich beim New Work deutlich von der traditionellen Auffassung. Wohingegen klassischerweise Abteilungen Aufgaben erledigen, erfolgt der Arbeitsablauf beim New Work eher in Projektarbeit. Ziel ist auf möglichst effiziente Art und Weise vorzugehen und die Personen in ein Projekt einzubinden, welche die größte Kompetenz dafür mitbringen. So entstehen bei jedem Projekt individuelle und neue Netzwerke, welche Personen mit unterschiedlichsten Abteilungen, Hintergründen und Prägungen miteinander verbinden.

3. Innovation statt Tradition Überzeugung und Spaß an der Arbeit regen im besten Fall die Kreativität an. Aus der Ideenwelt des New Work können sich vielfältige Projekte entwickeln, welche in neuen Produkten oder innovativen Dienstleistungen resultieren können. Der Ansatz ist insgesamt sehr pragmatisch: New Work soll ein glücklicheres Arbeitsleben ermöglichen, bei dem man zufrieden ist, es soll und muss aber auch Geld einbringen. Design Sprints oder auch Techniken wie das Design Thinking sind agile Methoden, die darauf ausgerichtet sind, Innovation zu ermöglichen und entsprechen damit der Ausrichtung von New Work.

4. New Leadership New Work braucht einen anderen Typ an Führungskräften. Eine Führungskraft in einem Unternehmen, das das Konzept von New Work verinnerlicht, sieht sich längst nicht mehr als eine Kontroll- und Weisungsinstanz, sondern vielmehr als Coach und Moderator. Strenge Hierarchien gehören der Vergangenheit an. An die Stelle von Kontrolle setzen die neuen Führungskräfte Empathie und Vertrauen. Aufgabe der Führungskräfte ist es, die Mitarbeiter zu Eigenverantwortung zu befähigen und ihnen eine klare Vision vorzuleben. Die Zusammenarbeit geschieht in New Work stets auf Augenhöhe.

Fazit: Wie bei allen Themen gibt es auch beim Thema New Work Vor- und Nachteile. Es gibt keine Musterlösung, wie New Work umgesetzt werden sollte und es muss immer individuell auf das Unternehmen abgestimmt werden. Wer ohne Plan auf den New-Work-Trend aufspringt, kann auch scheitern. Die ersten Schritte, um sich dem New Work Thema zu nähern beginnen im Unternehmensinneren – bei den Mitarbeitenden. Es benötigt Zeit und viel Arbeit, Arbeits- und Denkweisen zu verändern. Denn mehr Flexibilität, Eigenverantwortung und Agilität erfordern, dass der Einzelne sich selbst managen muss. Das liegt nicht jedem Arbeitnehmer und passt auch nicht zu jeder Unternehmensstruktur. Doch werden die neuen Arbeitsformen gut umgesetzt und längerfristig geplant, bieten sie viele Chancen. Das gilt insbesondere für alle, die Arbeit freier gestalten wollen und über ein gutes Zeit- und Selbstmanagement verfügen.

Wie genau das Thema New Work bei Solufi umgesetzt wird, erfährst Du im nächsten Blogbeitrag im Dezember 2022 – NEW WORK Buzz Word oder gelebte Realität? Teil II

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